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Avatar: Seven Havens: Holpriger Start mit schönen Ansätzen
« am: 07.11.2026, 15:18:05 »
   

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich vor 20 Jahren jeden Sonntagmorgen rituell um neun Uhr Aangs Reise zum Abschluss der Avatar-Ausbildung – und dem daraus resultierenden Untergang der Feuernation – begleitet habe. Kaum eine Serie hat mich in diesem Maße geprägt. Und kaum eine Serie kann ich heute noch guten Gewissens wiederholen, weil ich weiß, dass ich damit eine wahnsinnig gute Zeit haben werde.Auch der weiterführenden Serie rund um Avatar Korra konnte ich noch sehr viel abgewinnen und wollte auch nach ihrem Finale, dass es unbedingt mit Avatar weitergeht.Natürlich wurde ich also hellhörig, als vor einigen Monaten nach langer Pause Avatar: Seven Havens für Paramount+ angekündigt wurde. Noch dazu sollte dadurch die Aang-Korra-Zeitlinie kanonisch fortgesetzt werden. Meine Erwartungen waren dementsprechend hoch – nun ja.Kurz zusammengefasst, worum es geht – leichte SpoilerwarnungAvatar Korra hat die Apokalypse entfacht und die vier Nationen vernichtet. Aus den Ruinen entstanden die sieben Häfen, in denen die verbliebenen Völker Zuflucht fanden. Rund zweihundert Jahre später beginnt der nächste Avatar-Zyklus – die spannende Neuerung: Es sind gleich zwei Avatare. Die Zwillinge Pavi und Nisha werden in eine dystopische, vom Bändiger-Aussterben betroffene Welt geworfen, die den Avatar verabscheut und ihn mit allen Mitteln zu vernichten sucht. Während die eine ihren Pflichten als Herrin der Elemente gerecht werden möchte, will die andere nichts mit dem Thema zu tun haben. Zu allem Überfluss droht eine unheilvolle Macht den Hafen Ellora – unseren Schauplatz in Staffel eins – zu zerstören.Zu viele Köche…Was mir gleich zu Beginn auffiel: Es gibt schlicht zu viele Charaktere. Während in Aangs Geschichte in Buch Eins praktisch nur das gemeinsame Trio mit Katara, ihrem Bruder Sokka sowie Zuko mit seinem Onkel auf der Gegenseite im Fokus standen, werden wir hier allein in den ersten zwei Folgen mit rund zehn Charakteren konfrontiert, die alle versuchen, irgendwie eine Bindung zum Zuschauer aufzubauen. Das Resultat: Charakterlich und emotional entfalten konnte sich kaum einer der Protagonisten. Letztendlich konnte ich mir nicht mal die einzelnen Namen merken und musste auf Definitionen wie „der General mit dem schönen Schnauzer” zurückgreifen – mal ganz davon abgesehen, dass viele Charaktere diesem nervigen Same-Face-Syndrom unterliegen. Ist natürlich mehr ein Ich-Problem, dennoch sind zehn Figuren bei gerade einmal dreizehn Folgen á 20 Minuten einfach zu viel. Vor allem kommen im Verlauf der Geschichte weitere, nicht minder relevante Charaktere hinzu, die nun alle gemeinsam am Plot zerren und versuchen, das Ganze spannend nach vorne zu treiben. Avatar hat schon immer von seinen Charakteren und deren ausgefeilten Beziehungen zueinander gelebt. Es waren die kleinen Momente zwischendurch, die ganz entschleunigt den Figuren Raum zum Atmen, Wachsen und Zusammenschweißen gegeben haben. Gerade das habe ich hier schmerzlich vermisst. Vielmehr stand im Fokus, das Worldbuilding schnellstmöglich in Gang zu bringen. Im Grunde könnte die erste Staffel eher als holpriger Prolog verstanden werden, ohne genügend Fragen befriedigend zu beantworten – das wird eben einfach später erklärt … vielleicht … wenn ihr euch noch daran erinnert. Plotschwächen dank Fan-Service?Die Serie versucht, Altbekanntes stringent einzupflegen, verfehlt aber zum Teil das nötige Gespür für die Bedeutung dahinter. Hier wird mal beiläufig mit Blitzen um sich geworfen oder diese abgeleitet, dort wird das Atmen durch Luftbändigen erschwert. Direkt zu Beginn wird beispielsweise die fortwährende Existenz des Weißen Lotus auf eine Art entzaubert, die fast schon unrühmlich wirkt. Das alles darf organisch in der Serie gerne passieren, aber bitte so, dass man nicht das Gefühl bekommt, dass der Zuschauer eher mit einem ekstatischen Fingerzeig auf den Fernseher reagieren soll. Zudem wird hier im Eiltempo viel zu viel Pulver verfeuert, das für eine langfristige Story-Tragweite besser gewesen wäre. Scheitert es schon an der Zielgruppe?Es ist schwierig, nach 12 Jahren Pause ein Universum fortzusetzen, während ein Großteil des ursprünglichen Publikums längst in einem anderen Lebensabschnitt angekommen ist. Schließlich handelt es sich trotz aller Thematiken bei Avatar noch immer um eine Serie, die sich in erster Linie an Kinder und Jugendliche richtet. Dass da der Fokus wieder auf eine jüngere Zuschauerschaft gelegt wird, ist mir klar. Dennoch muss gesagt sein, dass ich mich in Aangs und ebenso Korras Geschichte als junger Zuschauer ernster genommen gefühlt habe, als es bisweilen jetzt der Fall ist. Zumal Seven Havens sogar das Wissen über Korras Story voraussetzt – und die richtet sich ganz offensichtlich an ein reiferes Publikum, als mir das neue Abenteuer bislang präsentieren möchte. Und das obwohl beide Serien ab zwölf Jahren freigegeben sind.Pavi und Nisha sind mit neun Jahren definitiv die jüngsten Avatare, die wir bis dato kennengelernt haben. Genau dieses Alter wird aber auch zum Problem. Die Serie möchte uns teils kindliche Irrationalität und Naivität gepaart mit der Verantwortung, folgenschwere, geopolitische Entscheidungen treffen zu können, vermitteln. Das hat wunderbar mit Aang funktioniert – er war nur eben bereits (hundert)zwölf. Und nur weil die Zwillinge jünger sind, muss der Spagat dieser Gewichtung nicht extremer ausfallen. Auch die Konsequenzen scheinen im Vergleich zu den beiden Vorgänger-Serien nicht wirklich zu existieren oder werden schnell aufgehoben, damit es mit der Story irgendwie weitergehen kann.Dabei sind gute Ansätze vorhandenVersteht mich nicht falsch, die Serie hat definitiv ihre Momente, vor allem visuell – auch wenn die Animation insgesamt nicht ganz an die Qualität der Vorgängerserien heranreicht. Die Bildsprache von Aang und Korra war für mich bislang deutlich ausgereifter. Trotzdem gibt es immer wieder gelungene Inszenierungen, insbesondere während der dynamischen Kampfszenen, bei denen ich mir durchaus dachte: „Wow, da geht ja doch was, wenn sie mal in Fahrt kommen”. Auch die Musik kann sich hören lassen. Die Klangwelt greift nahezu perfekt das Setting auf und bietet Melodien, die wunderbares Ohrwurm-Potenzial bieten. Hier habe ich noch am meisten Avatar-Feeling vermittelt bekommen.Interessant finde ich ebenso die frischen Einflüsse aus der indischen Kultur. Generell wird sich stark an der traditionellen östlichen Energie-Lehre orientiert und das Prinzip der Chakren als zentrales Element genutzt. Die sieben Häfen ziehen dabei eine stimmungsvolle Parallele zu den sieben Hauptchakren des menschlichen Körpers. Interessant wird definitiv, wie die einzelnen Häfen künftig miteinander in Beziehung stehen und welche weiteren kulturellen Einflüsse in ihre Gestaltung einfließen werden.Besonders den Zwei-Avatare-Ansatz finde ich unglaublich reizend. Avatar handelte schließlich schon immer im Kern von Balance: Der Avatar bringt Gleichgewicht über die Elemente und verbindet die reale Welt mit der Geisterwelt – Yin und Yang ist fast allgegenwärtig in den Thematiken anzutreffen. Das ganze jetzt sogar noch auf die Zwillinge zu übertragen, eröffnet interessante Story-Möglichkeiten, die ich gerne weiter entfaltet sehen möchte.Fazit: Ich hatte trotzdem SpaßTrotz der Kritik möchte ich Seven Havens nicht hassen. Ich möchte euch auch nicht ausreden, dem Ganzen selbst eine Chance zu geben. Im Kern bietet die Prämisse der Serie so viel Potenzial und Eigensinnigkeit, dass hieraus durchaus eine würdige Erweiterung der Welt geschaffen werden kann. Jenseits der ganzen angesprochenen Punkte hatte ich meinen Spaß an der Geschichte und ich möchte auch jetzt noch wissen, wie es weitergeht.Aber: Die Charaktere müssen mit den Zuschauern stärker mitwachsen. Ich hoffe, dass die Serie ein wenig das Naruto-Treatment erhält und die Charaktere mit dem Fortschreiten der Serie in Zeitsprüngen weiter heranwachsen. Bestellt sind zumindest wieder insgesamt vier Staffeln. Wann die zweite Staffel erscheint, ist bislang nicht konkret bekannt. Da die ersten beiden Staffeln parallel produziert worden sein sollen, dürfte keine allzu lange Wartezeit bevorstehen. Mehr



Quelle: http://www.eurogamer.de
   
     

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