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Beitrag: Lettland: Shopping, Preise und Leben...  (Gelesen 18803 mal) Drucken
 
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Lettland: Shopping, Preise und Leben...
« am: 27.10.2006, 10:57:01 »
Achtung: Dies ist Teil 3 einer kleinen Serie. Teil 1 und 2 finden sich auch im NewsParadies

Shopping, Preise und Leben...

Die Hälfte Lettlands ist agrarisch geprägt und so sind auch ihre Einkaufsmöglichkeiten, nämlich: nicht vorhanden. In Riga (und anderen Städten) sieht es aber inzwischen ganz anders aus. War es noch vor wenigen Jahren so, dass sich Wochenmärkte und vergrößerte Tante-Emma-Läden, die eigentlich schon immer existierten (und auch so aussehen), die Gunst des Kunden teilten, so hat heute mit dem klassischen Supermarkt die Moderne vielerorts Einzug gehalten.

Auffällig ist dabei oft die Fülle an Personal und besonders der Platz, der der Warenpräsentation zugestanden wird. Ein Bild wie Tag und Nacht, möchte man meinen, nur hat dieser "Luxus" seinen Preis. verglichen mit dem Tante-Emma-laden gibt es nämlich wie hier keine persönliche Bedienung und auch die Qualität ist nicht wirklich besser. Dafür sind die modernen Läden aber deutlich teurer.

Lettlands Preise sind für den Mitteleuropäer aber sowieso ein erklärliches Rätsel. Importwaren sind (wen wundert es) ca. 30% teurer als hierzulande. Auch die einheimischen Waren haben stark angezogen. Preiswert sind (noch) Dienstleistungen so lage keine ausgewiesenenen Fachkräfte benötigt werden und man sich nicht gerade in einer Touristenfalle befindet. Als Beispiel für den Preisauftrieb dank EU sei Diesel angegeben. Kostete der Liter kurz nach dem EU-Beitritt noch 38 Centime (ca. 55 Cent), so liegt die gleiche Menge Antriebsstoff für den fahrbaren Untersatz heute bei 62 Centime (ca. 88 Cent) und ist damit nur noch unwesentlich preiswerter als im an Deutschland angrenzenden Polen.

Riga selbst beherbergt neben altbackenen Tante-Emma-Läden und neuzeitlichen Super- und Baumärkten aber noch eine ganze Menge einer anderen "Seuche", die auch hierzulande immer mehr um sich greift: der Mall. Gemeint sind überall aus dem Boden sprießende und auch zumeist schnell wieder eingehende mehrstöckige Einkaufspassagen, deren Geschäfte zumeist mit Bekleidung, Schmuck oder sonstigem Luxusgut ausgestattet sind. Die lettische Eigenheit, Rolltreppen nur aufwärts zu bauen (übrigens auch in Kaufhäusern) wäre dabei ja noch zu verschmerzen. Aber die eher schnell zusammengezimmerten Baue stehen Witterungen bis -20°C und Seeluft kaum 3 bis 4 Jahre durch. Hinzu kommt noch die mangelnde Pflege, was derartige Häuser schnell in einen beklagenswerten Zustand versetzt. Gedacht sind diese "Tempel" wohl für den neureichen Mittelstand, welcher sich im eigenen Auto (eher unüblich für Lettland) relativ bequem diesen Geldvernichtungsmöglichkeiten nähern kann.

Sprach ich eigentlich schon über Kommerzialisierung? Nein? Nun gut: Möchte man man Riga von der Seeseite entdecken, so haben sich den vorhandenen Sehenswürdigkeiten einige hinzugesellt, wie ein weit überlebensgroßes "Chrysler"-Transparent oder der übergroße Schriftzug eines dieser Einkaufszentren direkt vor der altehrwürdigen russisch-orthodoxen Kathedrale. Nachts begrüßt einen eine min. 15 m hohe LG-Werbung mit stetig wechselndem Lichtspiel, sodass die altehrwürdige und berühmte rigarer Bahnhofsuhr dahinter verblasst. Will sagen: Schreiendes Gebuhle um den Kunden, ganz a la USA. Die altehrwürdige Hansestadt befindet sich inzwischen also komplett im Bann des Kommerz mit all seinen Schattenseiten. Anders sieht es bereits in den Vororten und erst recht auf dem platten Land aus. Dorthin hat es offenbar dank mangelnder Kaufkraft nicht einmal die üblichen Autohändler oder McDonalds hin verschlagen.

Aber zurück zu den Dienstleistungen: Einen nicht ganz unwichtigen Teil selbiger bildet zumindest hierzulande die Gastronomie. Inzwischen ist das in Lettland ähnlich, wobei man die Güte eines Restaurants immer noch danach messen muss wie oft man das Klirren von zerschmetterndem Geschirr wahrnimmt. Auffällig ist auch, dass solche Etablissements bereits Damen als "alte Hasen" ausweisen, die sich dem Bedienen vielleicht 2 Jahre gewidmet haben. Offenbar war es in Zeiten vor dem Konsumrausch ungewöhnlich, sich bedienen zu lassen. So sind die wahrscheinlich bekanntesten Restaurants in Riga immer noch Selbstbedienungsläden, hübsch zwar und auch schmackhaft aber eben dann doch mit dem Charm einer Werkskantine.

Ansonsten gilt sowohl in Geschäften, als auch in Restaurants, Cafe's und Bars die lettische Eigenheit im Musikgeschmack. Will sagen: Ramstein, fast in Diskolautstärke, beschallt die Gürkchen und überteuerten Kohlköpfe im Supermarkt. HIM('chen) "versüßt" den Geschmack des Blin im Restaurant, in dem man nur schreiend eine Unterhaltung führen kann. Und die Töne, die aus den Cafes dringen kann auch ich oft genug nicht deuten. OK, es geht auch anders, nur wenn man ein gediegenes Restaurant, wie das hinten im rigarer Bahnhof gefunden hat, bei dem die Musik im Hintergrund säuselt und die Bedienung weis, wie man Besteck aufträgt. Dann sind die Preise hoch und die Schmackhaftigkeit der Speisen eher wünschenswert - wobei ich nicht weis, inwieweit das etwas miteinander zu tun hat -.

Ach eins noch: Wer - wie ich - ein Fan von Lakritz ist sollte sich einen entsprechenden Vorrat mitnehmen. Denn bis auf ein paar armselige, überteuerte Mini-Tüten Colorado hab ich im ganzen Land nichts entdecken können, dass sich Lakritz zu nennen lohnen würde. Der Geschmack selbiger Köstlichkeit weckt beim Durchschnittsletten dann aber auch eher Ekel als Begierde, sodass mehr für mich bleibt.

Typisch lettisch hingegen ist neben viel Fisch (Riga liegt schließlich direkt an der Ostsee) eher fettes Essen. In jedem Supermarkt, in jedem Tante-Emma-Laden und an jeder anderen Ecke gibt es Torte, die als Universalnachtisch herzuhalten hat und auch gern zu Festivitäten, typisch russisch, um Punkt Mitternacht, verzehrt zu werden gedenkt. Für zwischendurch bieten sich Blinie an. Der Franzose würde wahrscheinlich Crep dazu sagen. Es handelt sich in der Tat um einen eher süßlichen, rund ausgerollten Crep-Teig, der mit Marmelade, Schokolade, aber auch eher exotisch anmutenden Dingen wie Käse oder Wurst gefüllt sein kann.

Nur eins gehört zwar gerade bei Russen überall dran, nur nicht an einen Blin: Saure Sahne, Herr Klitschko...

Aber der Merkwürdigkeiten gibt es mehr, sowie in 6'er oder 8'er-Packs eingeschweißte, gebratene Hühnerbeine, welche kalt verzehrt werden oder, für alle, die es bislang nicht geschüttelt hat die sog. Vogelmilch. Im Grunde eine Mischung aus ein wenig Kondensmilch oder Milchpulver mit etwas Wasser, die solange mit Zucker angereichert wird bis ein Löffel drin steht. Ja, es soll tatsächlich Menschen geben, die sowas pur essen.

Die wichtigsten kulinarischen Eigenheiten sind aber - wie wohl kaum anders zu erwarten - flüssig und ziemlich hochprozentig. Neben dem eigenen Vodka ist in Riga der "Balsam" auf jeder dritten Werbetafel zu sehen. Ein dunkler Kräuterlikör für Hardliner. Ähnlich dem, was man hierzulande auch in Steingut bekommt, nur bei weitem nicht so süß wie hier. Auch das Bier braut sich der Lette selbst, eher niederprzentig und damit isotonisch besonders wertvoll. Na dann mal: Prost!

Stichworte: Shopping, Preise, Leben, Lettland, Reisebereicht
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